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Versteckte nicht-vegane Inhaltsstoffe

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Versteckte nicht-vegane Inhaltsstoffe – was sich hinter E-Nummern & Fachbegriffen verbirgt

Karmin, Kollagen, Schellack, Molkepulver: Viele tierische Bestandteile stehen unscheinbar in der Zutatenliste – oft hinter Fachbegriffen oder E-Nummern versteckt. In diesem Guide erfährst du, welche Inhaltsstoffe nicht vegan sind, wo sie vorkommen und wie du sie im Alltag erkennst – inklusive veganer Alternativen.

Warum versteckte Inhaltsstoffe ein Thema sind

Wer sich vegan ernährt, achtet meist bewusst auf offensichtliche Zutaten wie Fleisch, Fisch, Milch, Eier oder Honig. Der „Feind“ steht aber nicht immer groß vorne auf der Verpackung – sondern steckt in Details der Zutatenliste: als Farbstoff, Überzug, Aroma oder Stabilisator.

  • Tierische Bestandteile werden oft technologisch eingesetzt (Glanz, Konsistenz, Farbe).
  • E-Nummern sagen nichts darüber aus, ob ein Zusatzstoff pflanzlich oder tierisch ist.
  • Auch in Getränken, Süssigkeiten, Medikamenten und Kosmetik können Tierprodukte stecken.
Good news: Mit etwas Routine erkennst du die meisten problematischen Stoffe auf den ersten Blick – und findest schnell gleichwertige vegane Alternativen.

Tierische Klassiker im Detail – was steckt dahinter?

Stoff / Begriff Was es ist Typische Produkte Vegan?
Karmin / Cochenille (E120) Roter Farbstoff aus gemahlenen Cochenille-Schildläusen. Rote Joghurts, Süssigkeiten, Drinks, Glasuren. Nicht vegan
Gelatine Gelier- und Verdickungsmittel aus kollagenhaltigem Bindegewebe (v. a. Schwein, Rind). Gummibärchen, Marshmallows, Desserts, einige Joghurts, Kapselhüllen. Nicht vegan
Kollagen / Collagen Strukturprotein aus Haut, Knochen, Knorpel von Tieren. „Beauty“-Shots, Proteinprodukte, Nahrungsergänzungen, Kosmetik. Nicht vegan
Schellack (E904) Harzartiger Überzug aus Ausscheidungen der Lackschildlaus. Glanzüberzug auf Süssigkeiten, Dragées, manchen Früchten. Nicht vegan
Bienenwachs (E901) Von Bienen produziertes Wachs, oft als Überzug oder Trennmittel. Dragées, Kaugummi, Obstüberzug, Kosmetik. Nicht vegan
Honig Von Bienen produzierter Zucker aus Nektar. Müslis, Saucen, Süssgetränke, Marinaden, Gebäck. Nicht vegan
Molke / Whey Flüssiger Restbestandteil aus der Käseproduktion (Milchprotein). Proteinpulver, Desserts, Fertiggebäck, Sportdrinks. Nicht vegan
Kasein / Casein Milchprotein, oft als Emulgator oder Bindemittel. Käseersatz, Schmelzkäse, verarbeitete Produkte. Nicht vegan
Butterreinfett / Milchfett Konzentriertes Butterfett ohne Wasser und Eiweiss. Gebäck, Fertigprodukte, Knabberartikel. Nicht vegan
Fischgelatine Gelatine aus Fischhäuten. Manche Süssigkeiten, Marshmallows, Klärmittel bei Wein/Saft. Nicht vegan
Lanolin Wollwachs aus Schafwolle, oft Basis für Vitamin D3 in Supplementen. Vit. D3-Präparate, Cremes, Lippenpflege. Nicht vegan
Carmel / Tierische Aromen „natürliches Aroma“ kann tierisch sein (z. B. Hühneraroma in Chips). Würzchips, Instantnudeln, Fertigsaucen. Unsicher – Herstelleranfrage nötig
Wichtig: Für Menschen mit Allergien müssen bestimmte tierische Stoffe (z. B. Milch, Ei, Fisch) immer deklariert werden. Das hilft auch Veganer:innen – trotzdem bleiben einige Tierprodukte (z. B. Schellack, Bienenwachs) leicht „übersehbar“.

E-Nummern & „graue Zone“ – nicht immer klar erkennbar

Einige Zusatzstoffe können sowohl pflanzlichen als auch tierischen Ursprungs sein. Das macht die Beurteilung schwieriger. Ein paar der bekanntesten Beispiele:

Stoff E-Nummer Mögliche Herkunft Vegan-Status
Mono- & Diglyceride von Speisefettsäuren E471 Pflanzliche oder tierische Fette. Unklar – in CH/EU heute meist pflanzlich, aber nicht garantiert.
E472 (a–f) E472a–f Emulgatoren, teils aus Mono-/Diglyceriden. Oft pflanzlich, im Zweifel beim Hersteller nachfragen.
Aromen („natürliches Aroma“) Keine Kann aus Pflanzen, Pilzen oder Tierprodukten stammen. Nur „natürliches Vanillearoma“ etc. ist eindeutig. Sonst: nachfragen.
Vitamin D3 Ecod-Lebensmittelzusatz, keine E-Nummer Meist aus Lanolin (Schafwolle), selten aus Flechten (vegan). Nur explizit als „veganes Vitamin D3“ gekennzeichnet wirklich pflanzlich.
Praxis-Tipp: Je stärker verarbeitet ein Produkt ist, desto häufiger tauchen solche „Grenzfälle“ auf. Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt im Alltag vor allem auf wenig verarbeitete Lebensmittel – und nutzt verarbeitete Produkte sparsam oder gezielt mit Vegan-Label.

Versteckte Tierbestandteile ausserhalb von Lebensmitteln

Arzneimittel & Supplemente

  • Kapseln oft aus Gelatine (Hülle) – vegan: „Cellulose-/Hydroxypropylmethylcellulose-Kapsel“.
  • Vitamin D3 häufig aus Lanolin – vegan: „aus Flechten“ oder explizit „vegan“ gekennzeichnet.
  • Omega-3-Präparate, klassisch aus Fischöl – vegan: Algenöl.

Kosmetik & Pflege

  • Kollagen, Keratin in Cremes und Haarpflege.
  • Lanolin in Lippenpflege, Handcremes.
  • Karmin (E120) in Lippenstiften, Rouge (rote Farbtöne).

Für viele ist Ernährung der erste Schritt – aber wer konsequent vegan leben möchte, schaut mittelfristig auch bei Medikamenten, Supplementen, Kosmetik und Haushaltsprodukten genauer hin.

Wie du im Alltag schnell einschätzen kannst, ob etwas vegan ist

  • 1. Allergene-Check: Milch, Ei, Fisch, Krustentiere, Weichtiere, Honig – sofort sichtbar in Fettschrift.
  • 2. Kurzer Blick auf „kritische“ Begriffe: Gelatine, Kollagen, Molke, Kasein, Butterreinfett, Bienenwachs, Schellack, Lanolin.
  • 3. E-Nummern im Hinterkopf: E120, E901, E904 → nicht vegan; E471/E472 → evtl. vegan, im Alltag oft toleriert oder beim Hersteller nachfragen.
  • 4. Vegan-Label nutzen: Das V-Label oder „vegan“ reduziert Rechercheaufwand deutlich.
  • 5. Je simpler das Produkt, desto einfacher: Reis, Bohnen, Kartoffeln, Gemüse, Nüsse – hier musst du nichts dekodieren.
Realistische Sicht: 100 %ige Sicherheit bei jeder E-Nummer ist im Alltag kaum machbar. Viele Veganer:innen konzentrieren sich deshalb auf die „grossen Hebel“: keine offensichtlichen Tierprodukte, möglichst naturbelassene Lebensmittel, vegan deklarierte Produkte – und sehen Grauzonen wie E471 pragmatisch.

Vegan, aber entspannt – wie streng „muss“ man sein?

Entscheidend ist dein persönlicher Anspruch: Geht es dir primär um Tierleid, Gesundheit, Klima – oder alles zusammen? Niemand lebt „perfekt vegan“ in einer nicht-veganen Welt. Wichtig ist, dass die grosse Richtung stimmt – nicht, dass du jede Spur im Promillebereich kontrollierst.

  • Du reduzierst den Konsum von Tierprodukten bereits massiv durch vegane Basisernährung.
  • Je mehr du weisst, desto besser kannst du entscheiden – ohne dich verrückt zu machen.
  • Fehler passieren. Sie sind Lernmoment, kein Weltuntergang.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung oder Zertifizierung. Rezepturen können sich ändern – im Zweifel gilt immer die aktuelle Zutatenliste auf der Verpackung.

© Ultimativ Vegan – Science-based & delicious.

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